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Ich bin wahrscheinlich nicht der klassische Superhelden-Film-und-Comic-Fan. Die mittlerweile aufgeblasenen Universen mit immer neuen Origin-Storys, übertrieben eskalierenden Bedrohungen und digitalem Dauerfeuerwerk machen mich eher überreizt als begeistert. Zu viel. Zu laut. Zu grell. Zu unrealistisch (soweit man das überhaupt sagen kann), auf jeden Fall zu übertrieben und meist immer deutlich zu viel von allem.
Aber ja, in meiner Kindheit las ich gerne DC, Marvel-Comics (70er- bis 80er-Jahre-Ära). Am liebsten die Superhelden-Sammelbände. Gedruckt auf rauem Papier. Matt. Gerastert. Auch heute blättere ich noch gern in alten Heften. Vor allem aber waren sie ruhiger, reduzierter gezeichnet als viele der heutigen Superhelden-Comics. Bei Filmen bin ich aus oben genannten Gründen eher wählerisch.
So war ich sehr zurückhaltend gegenüber The Batman von 2022. Wieder Batman, wieder düster, wieder ein Reboot. Wieder? Warum nur? Lange hatte ich keine wirkliche Lust darauf. Irgendwann habe ich ihn dann doch angeschaut und festgestellt – Moment – der Film macht etwas anders – irgendwie.
Völlig erstaunlich wurde The Batman für mich eine der stärksten Batman-Verfilmungen. Weil er eben nicht lauter, nicht schneller, nicht spektakulärer war. Dafür filmisch und atmosphärisch enorm dicht. Wow. Die Bilder sind enorm stark, die Düsternis ist ein großer Stimmungsträger. Der Film, Gotham, wirkt wie ein Ort, der müde ist, beschädigt, erschöpft von sich selbst. Und erinnert mich an die Stimmung der alten Comics. Robert Pattinson die exakt richtige Besetzung.
Es sind einzelne Einstellungen, die hängen geblieben sind. Lang(sam)e Kamerafahrten und Perspektiven, die sich Zeit lassen. Eine Szene hat sich mir im wahrsten Sinne besonders eingebrannt: Batman, der aus den Fluten auftaucht, eine rote Fackel entzündet und schließlich eine Gruppe von Menschen in die Sicherheit führt. Die dann von oben gefilmte Einstellung war beeindruckend. A true hope in darkness! The Bat’s true calling.
Vor allem aber der Soundtrack trägt diesen Film auf eindrückliche Weise. Er legt sich wie ein dunkler, hypnotisierender Strom unter die Bilder. Stücke wie „The Bat’s True Calling“, „All’s Well That Ends Well“, „The Batman“, „Catwoman“, „Funeral and Far Between“ sind meine Highlights. Sie entfalten ihre Wirkung teils langsam, aufbäumend, eindringlich, düster, aber hoffnungsvoll, emotional.
Vor allen anderen Stücken steht für mich aber „Sonata in Darkness“, welches im Abspann läuft. Für mich ein Meisterstück. Eine Sonate, eine innere Abbildung, eine Kontemplation des gesamten Films, Batman’s. Voller Zerrissenheit, Trauer, Wut, Hoffnung, Kraft, Stärke, Sanftheit, Revolte, einer Art Auferstehung und Besinnung. Wie passend am Ende.
Musik, die fesseln und berühren kann. Unbedingt mit guten Kopfhörern hören – oder noch besser über eine ordentliche HiFi-Anlage. Diese Musik lebt von der richtigen Lautstärke, von Tiefe, von Raum, von Vibration.
15.02.2026
