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Klein, fein und tückisch – Die Minox 35 GT

Eine nicht ganz perfekte Kamera für analoge Entdecker:innen
3. April 2025
Minox35GT
Foto: Sven E. Hofmann

Die Welt der analogen Fotografie hat ihren ganz eigenen Zauber: Das Gefühl, einen Film einzulegen, die Vorfreude auf die Entwicklung und das bewusste Gestalten von Motiven ohne digitale Vorschau machen den Reiz aus. Während moderne Kameras mit unzähligen Funktionen, Menüs und Automatikmodi überladen sind, geht es bei analogen Kameras oft nur um das Wesentliche. Eine kompakte, minimalistische und trotzdem leistungsfähige Kamera kann hier besonders punkten. Genau in diese Kategorie fällt die Minox 35 GT – die kleinste Kleinbildkamera der Welt. Doch so hübsch sie auf den ersten Blick erscheint, bringt sie auch einige kleine Tücken mit sich. Wenn Du sie nutzen möchtest, solltest Du ihre Eigenheiten kennen.

Die Stärken der Minox 35 GT: Klein, leicht und scharf

Eines der herausragenden Merkmale der Minox 35 GT ist ihre Größe und ihr Gewicht. Mit gerade einmal 10 x 6,1 x 3,1 cm und einem Gewicht von rund 200 Gramm inklusive Batterie und Film ist sie eine echte Immer-dabei-Kamera. Perfekt für Reisen, spontane Street-Fotografie oder als diskrete Kamera für unauffällige Aufnahmen. Trotz ihrer Kompaktheit bringt sie einige Qualitäten mit, die sie von vielen anderen Kameras abheben:

Hochwertiges Color-Minotar 2,8/35 mm Objektiv: Die vierlinsige Konstruktion sorgt für scharfe Bilder mit einem angenehmen Bokeh. Die Brennweite von 35 mm ist ein echter Allrounder und eignet sich hervorragend für Landschaften, Street-Fotografie und den Alltags-Fotografie.

Elektronische Zeitautomatik: Die Kamera bietet eine Zeitautomatik mit Blendenwahl und einer Belichtungsanzeige im Sucher – ideal für Einsteiger:innen, die sich langsam an manuelle Einstellungen herantasten wollen.

Gegenlichtschalter: Ein einfach zu bedienendes Feature, das hilft, dunkle Motive vor hellem Hintergrund richtig zu belichten.

Selbstauslöser: Perfekt für Selbstporträts oder Gruppenfotos ohne Fernauslöser.

Leise und unauffällig: Dank ihres Verschlusses ist die Minox 35 GT eine der leisesten Kleinbildkameras – ideal für diskrete Fotografie.

Die Schwächen: Tücken, die man kennen sollte

So gut die Minox 35 GT auch ist, sie hat ihre Eigenheiten und Schwächen, die den fotografischen Alltag erschweren und Konzentration erfordern. Hier sind die wichtigsten:

Die Batterie-Problematik: Die Minox 35 GT benötigt eine PX27-Batterie, die heute nicht mehr hergestellt wird. Ersatzlösungen sind nötig – ich nutze beispielsweise zwei CR1/3N Batterien, die ich mit Masking-Tape fixiere. Das Hauptproblem: Es gibt kaum eine eindeutige Warnung, wenn die Batterie leer ist. Die einzige Möglichkeit, den Ladestatus zu überprüfen, bietet der kleine Kontrollknopf neben dem Blitzschuh – hier lohnt sich unbedingt ein Blick in die Bedienungsanleitung, um alles richtig zu machen! Ohne Strom funktioniert die Kamera zwar mechanisch weiter, aber alle Aufnahmen sind unbrauchbar, da die Belichtungselektronik nicht mehr arbeitet. Wer den minimal veränderten Klang des Auslösers nicht bemerkt oder die Belichtungsanzeige ignoriert, riskiert einen komplett leeren Film. Deshalb gilt: Batterie regelmäßig checken und immer einen Ersatz dabeihaben!

Manueller Fokus: Während die Kamera eine Zeitautomatik besitzt, muss die Entfernung manuell eingestellt werden. Das erfordert etwas Übung, insbesondere in Situationen, in denen es schnell gehen muss. Wer an Autofokus gewöhnt ist, vergisst leicht, die Entfernung korrekt anzupassen. Zudem gibt es keine optischen Fokushilfen wie ein Schnittbild oder Mikroprismen – die Distanz muss also geschätzt werden. Ein kleiner Laser-Entfernungsmesser kann dabei helfen, ist aber eigentlich nicht nötig. Als klassische Sucherkamera bietet die Minox 35 GT keinen Durchblick durchs Objektiv wie eine Spiegelreflexkamera. Dafür hat sie einen praktischen Klappmechanismus: Das Objektiv verschwindet komplett im Gehäuse, sodass kein separater Objektivdeckel nötig ist – ein Vorteil für alle, die sonst gerne vergessen, den Deckel abzunehmen.

Gehäuse: Die Minox 35 GT fühlt sich hochwertig an und das Gehäuse ist typisch für Minox aus glasfaserverstärkten Makrolon. Es ist zwar robust, aber für den rauen Alltagseinsatz sollte man IMHO dennoch vorsichtig sein.

Mechanische Anfälligkeiten: Der Klappdeckel, der das Objektiv schützt, ist ein potenzieller Schwachpunkt. Viele gebrauchte Modelle haben hier bereits Verschleißerscheinungen.

Größe: Die Kamera ist klein! Somit auch die Bedienelemente und vor Allem das Objektiv, mit seinen Stellringen für Blende und Entfernung. Mit großen Händen wird es da schnell fummelig.

Preis und Kaufempfehlung: Lohnt sich die Minox 35 GT?

Auf dem Gebrauchtmarkt schwanken die Preise für die Minox 35 GT erfahrungsgemäß stark. Eine faire Preisspanne liegt meiner Meinung nach zwischen 25 und 45 Euro, doch häufig wird sie deutlich teurer angeboten. Gerade in Online-Marktplätzen finden sich oft überteuerte Exemplare, die bis zu 100 Euro oder mehr kosten – Preise, die sich angesichts der Risiken und Anfälligkeiten der Kamera nicht wirklich lohnen. Wer eine Minox 35 GT erwerben möchte, sollte also geduldig suchen und Wert auf einen funktionierenden Zustand legen.
Tip: Vor einem Kauf noch zuhause und in Riuhe die Bediensungsanleitung lesen. Wenn möglich vor Ort kaufen und vor dem Kauf testen. Batterie mitbringen. Leuchtet die LED des Selbstauslösers nicht und der Batterietest versagt – Finger weg. Für den Aufsteckblitz habe ich 5€ bezahlt. Es gibt noch Aufsteckfilter und Aufstecksonnenblende – Schön wenn diese dabei sind.

Fazit: Für wen ist die Minox 35 GT geeignet?

Die Minox 35 GT ist eine faszinierende Kamera mit viel Charme, aber auch einigen Hürden. Sie ist ideal für Fotograf:innen, die eine kompakte, schlichte Kamera suchen und bereit sind, sich mit manuellen Einstellungen auseinanderzusetzen. Wer eine unkomplizierte Point-and-Shoot-Kamera erwartet, wird hingegen enttäuscht. Auch für Einsteiger:innen in die analoge Fotografie geignet, wenn man sich der Eigenheiten bewusst ist und diese in Kauf nimmt.

Trotz ihrer Schwächen bleibt die Minox 35 GT eine klare Empfehlung. Ihre Stärken in Sachen Bildqualität, Kompaktheit und leiser Bedienung machen sie zu einer wunderbaren Begleiterin für alle, die die analoge Fotografie bewusst erleben wollen. Aber Vorsicht: Ohne Batterie geht gar nichts! Wer sich auf sie einlässt, wird mit einer der charmantesten Kleinbildkameras belohnt, die je gebaut wurden.

03.04.2025

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